Einen Text bis ins Detail perfekt und ästhetisch darzustellen erfordert sehr viel Zeit, Geduld und ein gutes Auge. Erst einmal angefangen vergehen die Stunden wie im Flug und trotzdem fällt einem immer wieder eine Kleinigkeit auf, die geändert werden sollte. Wie in unserem letzten Blogbeitrag schon begonnen, wollen wir uns dieses Mal mit kleinen Feinheiten beschäftigen, die aber viel im Gesamtkontext ausmachen.

Einzüge oder Leerzeile?

Für einen längeren Text, der aus mehreren Absätzen besteht, ist es essentiell, dass der Beginn und das Ende eines solchen für den Leser leicht zu erkennen ist. Somit können Inhalte klar gegliedert werden und helfen dem Studierenden bei seiner Informationsverarbeitung.

Ein Einzug äußert sich durch die Einrückung der ersten Zeile eines neuen Absatzes. Auch er ist ein Begriff aus alter Druckertradition. Im Mittelalter wurden sogenannte Alinea-Zeichen verwendet um gedankliche Inhalte zu trennen. Im Druck hat man dann den Anfang eines neuen Absatzes dann schon in die nächste Zeile gesetzt. Das Alinea-Zeichen wurde extra in rot in einem weiteren Arbeitsschritt manuell eingefügt. Dafür ließ man im normalen Druck Leerraum für diese Zeichen. Irgendwann hat man aus Zeit- und Kostengründen die Alinea-Zeichen einfach weggelassen. Schließlich ist ja der Einzug vorhanden, um den Absatzanfang zu markieren. Die Alinea-Zeichen gibt es nach wie vor. Fast jede Software markiert ihre Absätze mit den alten typografischen Symbolen. Allerdings muss man diese einschalten, bevor sie sichtbar werden.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Die Alternative zu Einzügen heißt, die Absätze durch Leerzeilen zu trennen. In der typografischen Welt herrschen große Meinungsverschiedenheiten welche Variante zu bevorzugen ist. Bei Romanen wird in der Regel der Einzug bevorzugt, da so der Lesefluss nicht zu gravierend unterbrochen wird. Generell haben beide Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile. So wird durch den Einzug zwar nicht der Lesefluss behindert, allerdings entsteht bei der üblichen Verwendung von linksbündigen Texten, eine unruhige linke Kante. Des Weiteren entsteht eine zusammenhängende Textwüste, die den Leser geradezu ohne Wasser und Orientierung alleine lässt. Leerzeilen wiederum können einen Text in seinem Gesamtbild auseinanderreißen. Letztendlich bleibt es dem Gestalter überlassen, für welche Variante er sich entscheidet. Die Benutzung von beiden zugleich sollte vermieden werden, da ein sehr unruhiges Textbild erzeugt wird und ein Widerspruch zum ökonomischen Arbeiten entsteht.

Hurenkinder und Schusterjungen

Zwei typografische Begriffe der eher weniger charmanten Art. Kein Typograf will sie in seinem Text. Sie können einen kompletten Text als laienhaft und tollpatschig erscheinen lassen, ganz egal wie schick er sonst gestaltet ist. Sie gilt es absolut zu vermeiden. Hurenkinder und Schusterjungen können als Fehler bei Seitenumbrüchen auftauchen.

Von einem Schusterjungen spricht man dann, wenn die erste Zeile eines Absatzes auf einer Seite ganz unten zu finden ist. Die Zeile wird inhaltlich vom Rest des Absatzes getrennt und stört den Lesefluss des Betrachters. Abgesehen davon erscheint das Gesamtbild der Seite als zerrissen und unstrukturiert. Fall nun auch noch mit Einzügen gearbeitet worden ist, findet man nun ein regelrechtes Loch, dass in die letzte Zeile gesprengt worden ist.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Ein typografisch noch schlimmeres Vergehen, ist das sogenannte Hurenkind. Nach altbackenen Vorstellungen will niemand etwas mit einem Hurenkind zu tun haben. Deswegen steht ein Hurenkind auch immer alleine da. Also ist es nicht verwunderlich, dass wir nun einen Umkehrschluss zum Schusterjungen haben. Falls die letzte Zeile eines Absatzes auf eine neue Seite fällt, spricht man vom Hurenkind. Es stellt sich der selbe Effekt wie beim Schusterjungen ein, nur noch einmal verstärkt, da sich ein Absatzende selten auf die gesamte Zeilenlänge erstreckt. Der Leser ist mitten im Satz und freut sich auf weiteren informativen Inhalt, das Auge wandert die nächste Seite hoch, er setzt an zu lesen und wird dann mit zwei Wörtern abgespeist! Ein Hurenkind ist immer in der ersten Zeilen zu finden. Ein Schusterjunge immer in der letzten.

Paginierung

Ist man dafür verantwortlich einen längeren Text zu gestalten, so ist man gezwungen sich mit Seitennummerierungen auseinanderzusetzen. Dabei kommt es allerdings darauf an, für welches Medium der Text gestaltet werden soll. Denn es gibt verschiedene Herangehensweisen. Bei einer Broschüre oder bei einem Magazin fängt die Paginierung schon mit dem Cover an. Bei einem Buch hingegen wird erst ab der Schmutztitelseite angefangen zu zählen. Die Paginierung soll dem Leser einen dezenten Hinweis darauf geben, wo er sich befindet und auf welcher Seite er den gewünschten Inhalt aufschlagen kann. Damit die Seitenzahlen nicht das Lesevergnügen behindern, werden sie außerhalb des Satzspiegels (ein definierter Rahmen innerhalb dessen sich der Textinhalt verteilt) in möglichst kleiner Schriftgröße gesetzt. Desweiteren gibt es Ausnahmen für einige Seiten. Auf diesen Seite soll keine Nummerierung stehen, da sie aufgrund mangelnden Textes zu auffällig wären und die Ästhetik stören. Zu diesen Ausnahmen gehören die Titelei, Inhaltsverzeichnisse, Kapitelanfänge, Seiten die mit weniger als einem Drittel mit Text bedeckt sind und blanke Seiten. Da die manuelle Paginierung bei langen Texten unausweichlich zu Fehlern führt, ist es sinnvoll Musterseiten anzulegen (z. B. im Adobe Indesign) oder eine automatische Nummerierung, über die fast jedes Programm verfügt, zu benutzen.