Es gibts nichts ärgerlicheres, als wenn man nach etlichen Stunden einen Text verfasst hat, aber ihn keiner lesen will. Vielleicht liegt es daran, dass die Schriftart nicht lesbar genug ist. Oft liegt es aber auch daran, dass die Person, die den Text gesetzt hat, sich nicht darum bemüht hat, den Text für den Leser aufzubereiten. Deswegen lohnt es sich für den Fließtext Zeit aufzuwenden. Selbst der schönste und informativste Text ist nichts wert, wenn er nicht gelesen wird.

Schriftwahl

Ein größerer Text muss in einer Schrift gesetzt sein, die den Leser nicht anstrengt. Der Leser muss sich voll auf den Inhalt des Geschriebenen konzentrieren dürfen. Wie in unseren vorherigen Artikeln schon erwähnt (Teil 1, Teil 2, Teil 3), helfen Serifen dabei Buchstaben auch in kleinen Schriftgraden von einander zu unterscheiden. Gift für den Fließtext sind Schriften mit extremen Verzierungen und Texturen. Diese lenken vom Grundgerüst der Lettern ab und überreizen die Augen. Auch bei Schriften mit kleinen Ober- und Unterlängen sollte man vorsichtig sein, da Charakteristiken eines Buchstaben sehr schnell untergehen können. So wird z. B. aus einem „l“ mit kleiner Oberlänge schnell mal ein „i“. Ist man im Zweifel, welche Schrift man aufgrund der Lesbarkeit wählen soll, so kann man mit Klassikern wie der „Garamond“ nichts falsch machen. Ihre Serifen und ihre humanistischen Formen lassen sie für das Auge sympathisch erscheinen und selbst in kleinen Schriftgrößen lässt sie sich noch gut lesen.

Wahl des Satzes

Hat man sich erst einmal für eine Schrift entschieden, ist die nächste Überlegung, in welcher Form man seinen Fließtext haben will. Ein Blocksatz kann gut aussehen. Allerdings muss dieser manuell nachbehandelt werden. Durch die automatische Funktion werden die Zeichenabstände gestreckt, um die Zeile bis zum Rand zu füllen. Dabei entstehen sehr hässliche Löcher, die einen Text unansehnlich machen können. Durch das Justieren einzelner Buchstaben durch Kerning kann man sich den Text zurechtbiegen und größere Löcher vermeiden. Je mehr Zeichen eine Zeile hat und je enger die Buchstaben zu einander stehen, desto besser funktioniert der Blocksatz. Eine fast immer funktionierende Methode ist der Flattersatz. Hierbei werden die Wort- und Zeichenabstände nicht in die Länge gezogen. Falls ein Wort nicht mehr in die Zeile passt oder getrennt werden kann, wird es einfach in die nächste Zeile geschoben. Ein rechtsbündiger Flattersatz ist für den Fließtext nicht zu gebrauchen, da der Leser irritiert wird und der Text fast nicht mehr zu lesen ist. Wenn man Zeit, Geduld und keinen monumentalen Text vor sich hat, empfiehlt es sich auch den linksbündigen Flattersatz mit der Hand nachzukorrigieren. So kann man die Enden der Zeilen zu einer harmonischen Wellenbewegung umformen. Ein zentrierter Satz bietet sich nicht für einen langen Fließtext an. Für Gedichte, Zitate, Einladungen oder sonstige Hervorhebungen ist er jedoch zu gebrauchen.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Laufweite

Die Laufweite gibt an, mit wie viel Abstand die einzelnen Zeichen zu einander stehen. Die Laufweite kann nach eigenem Ermessen eingestellt werden. Jedoch muss man darauf achten, dass die Buchstaben bei zu weiter Laufweite nicht auseinander fallen. Umgekehrt kann bei zu geringer Laufweite der Text leicht gestaucht und unleserlich werden. Gerade wenn einem der Platz für den Text ausgeht, kann es eine Hilfe sein die Laufweite zu verringern. Beim Entwurf einer Schrift hat der Typedesigner die Laufweite so eingestellt, wie er sie für richtig hielt. Da es aber viele schlechte Schriften gibt, oder dem Autor zum Schluss die Zeit davon gelaufen ist, kann es nie schaden selber mit der Laufweite zu experimentieren. Vor allem bei farbigen Hintergründen ist es unbedingt notwendig die Laufweite anzupassen. Auf dunklem Hintergrund muss die Schrift standardmäßig weiter gesetzt werden, um ein für die Augen anstrengendes Flimmern zu vermeiden. Will man den Zeichenabstand nicht überall gleich haben, sondern ihn für die Zeichen einzeln einstellen, so spricht man vom Kerning. Für den Fließtext weniger geeignet, da es viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt, die Zeichen einzeln perfekt abzustimmen (z. B. bei einem Roman). Gerade bei Überschriften oder groß gesetzten Texten ist Kerning sinnvoll. Durch das ändern der Abstände kann man Überschriften perfekt bis ins Detail ausmitteln. Eine weitere schöne Individualiserung ist die Möglichkeit, Ligaturen (zwei Buchstaben verschmelzen an einer Stelle zusammen, z. B. „fi“) einzusetzen. Fast jede Schrift verfügt über Ligaturen. Sie sind in den Glyphen zu finden. Das Verändern der Schrift durch Strecken oder Stauchen ist zu unterlassen, da der Typedesigner diese in einem langwierigen Prozess so geschaffen hat.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Durchschuss und Zeilenabstand

Der Begriff Durchschuss stammt noch aus der Zeit des Bleisatzes. Damit ist der nicht zu druckende Bereich zwischen zwei Zeilen gemeint. Früher wurde der Leerraum zwischen zwei Zeilen mit kleinen Bleistücken gefüllt um den Satz stabil zu machen. Der Durchschuss ist nicht mit dem Zeilenabstand zu verwechseln. Beim ZAB misst man von der Grundlinie einer Zeile zu der nächsten. Von Schrift zu Schrift sollte der ZAB individuell angepasst werden. Der Leser soll angenehm von Zeile zu Zeile geleitet werden. Um ihn nicht zu irritieren soll er die nächste Zeile sofort finden können. Bei langen Zeilen erleichtert man ihm das, indem man den Abstand erhöht. Bei kurzen Zeilen wiederum kann man den ZAB verringern, um den Text kompakt zu halten und nicht auseinanderzureißen. Der ZAB ist im Normalfall höher als die Schriftgröße. Der Standardwert liegt hierbei bei 120%. Bei einer 10pt-Schrift wäre das ein Zeilenabstand von 12pt.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Spalten und Zeilen

Um einen angenehmen Lesefluss zu erzeugen, dürfen die Zeilen nicht zu lang sein. Hier gilt als Faustregel ein maximale Zeichenzahl von ca. 60 Zeichen pro Zeile (bei einer Schriftgröße von 8pt -11pt). Kürzere Zeilen sind für den Betrachter einfacher zu erfassen. Deswegen ist es nicht von Nachteil einen Fließtext auf mehrere Spalten zu verteilen. Gerade bei informativen Texten bietet es sich an, da der Leser durch das schnelle Zeilenwechseln mehr Zeit hat die Flut an Informationen zu verdauen. Durch mehrere Spalten wirkt ein Text aufgeräumter und man verhindert, dass der Leser in riesigen Schriftwüsten alleine gelassen wird. Zeitungen werden deswegen immer mehrspaltig angelegt. Benutzt man ein Layout mit mehreren Spalten, dürfen einzelne Zeile ca. 40 Zeichen beinhalten. Bei Romanen ist von mehrspaltiger Textaufteilung abzusehen, da man leicht Wortzusammenhänge erhaschen kann und somit die Spannung ruiniert ist. Bei einspaltigem Text ist man in seinem Lesevergnügen freier. Die Lesegeschwindigkeit kann man selber bestimmen, da sie nicht zwanghaft durch schnelle Zeilenwechsel unterbrochen wird.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Trennungen

Zu guter Letzt beschäftigen wir uns mit Trennungen. Generell gilt es, Trennungen innerhalb eines Textes zu vermeiden. Sie stören den Lesefluss. Auf keinen Fall dürfen Überschriften getrennt werden. Ihre Bedeutung ist zu essentiell und man muss sie mit einem Blick in ihrem Inhalt erfassen können. Auch Zahlen oder Mengenangaben, die bei bestimmten Wörtern stehen, sollten vereint bleiben. Das gleiche gilt für feststehende Begriffe (z. B. „Die vereinigten Staaten von Amerika“).