Gebrochene Schriften haben eine bewegte Vergangenheit. Kaum eine Schriftfamilie ist so oft unter dem Einfluss politischer Machenschaften gestanden wie sie. Früher als deutscher Gegenschlag zur Antiqua des verhassten französischen Erbfeindes benutzt, später von den Nazis verleumdet und verboten. Nach dem Krieg groteskerweise von den Alliierten in Folge der Entnazifizierung als Nazipropaganda abgestempelt und aus Deutschland vertrieben worden.

Dabei haben diese Schriften viel mehr zu bieten als Politik. Auch in der heutigen Zeit gibt es viele gute Möglichkeiten diese Schriften einzusetzen. Allerdings ist Vorsicht geboten, da man schnell in eine Richtung abrutschen kann, die es in sich hat. Denn wer möchte schon mit Faschisten assoziiert werden?

Unterteilung

Es gibt viele Formen von gebrochene Schriften, bekannt unter dem Oberbegriff Fraktur. Sie alle zeichnet ihre gebrochenen Formen aus. Diese Lettern können nicht in einem Zug geschrieben werden. Sie bestehen aus vielen einzelnen Fragmenten. Als wichtigste Gruppen innerhalb der Frakturen sind die Textur, Schwabacher und Fraktur (viele verwechseln sie aufgrund des gleichen Namens mit dem Oberbegriff, sie ist aber eigene Schriftart) zu nennen.

Textur

Die Textur spiegelt alle Stilmerkmale der Gotik in sich wieder. Sie wurde von den Mönchen in mühevoller Handarbeit geschrieben. Sie besteht aus hohen langen Element mit extrem kleinen Ober- und Unterlängen. Deswegen sind für Laien oft die Buchstaben von einander nur schwer zu unterscheiden. Ihr Erscheinungsbild ist ziemlich dunkel und hat ornamentalen Charakter, da sie sehr eng geschrieben wird. Rundungen und Schnörkel sind hier nicht zu finden. Im Text geschrieben wirkt sie wie ein Gartenzaun. Historisch gesehen verzichtet sie auf Versalien. Für den heutigen Gebrauch werden gerne Frakturlettern oder simulierte Textur–Versalien verwendet. Die Textur heutzutage einzusetzen ist sehr schwierig, da sie durch ihre fast schon militärisch aneinander gereihten Buchstaben sehr schwer zu lesen ist. Zudem kommt noch, dass die Textur die Erscheinungsform der gebrochenen Schriften ist, die am meisten den Schriften der Nazis ähnelte (Bevor diese 1941 verboten und als Judenlettern diffamiert wurden). Eine Ähnlichkeit zum Hakenkreuz ist nicht zu leugnen, vor allem bei nationalen Schriften wie der Tannenberg (sog. Schaftstiefelgrotesken).

Fraktur

Schwabacher

Die Schwabacher ist eine Form der gebrochenen Schriften, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Im Gegensatz zur Textur wird sie ziemlich breit geschrieben und weißt Rundungen auf. Somit kommt sie zu einem Charakter, der eine bäuerliche Ausstrahlung inne hat. Sie verströmt einen Wirtshauscharme, der rund aber alles andere als edel daherkommt. Wer also z. B. eine Speisekarte mit deutscher Küche gestalten will, ist hier an der richtigen Adresse. Trotz des schlichten Gemüts, blieb Sie lange Zeit eine der meist benutzten Schriften in Deutschland. Später musste die Schwabacher dann der Fraktur weichen.

Fraktur

Fraktur

Die Fraktur entstand um ca. 1500. In einer Zeit, in der das Druckhandwerk sich in seiner Blütezeit befindet. Das handwerkliche Schreiben der Mönche gehört langsam aber sicher der Vergangenheit an. Umso bemerkenswerter ist, dass der Erfinder der Fraktur ein Kalligraphiemönch aus einer Abtei ist. Sein Name ist Leonhard Wagner, ein Benediktinerbruder aus Augsburg. In einem Schriftmusterbuch, das ein Geschenk für den Kaiser werden sollte, ist die Form der Fraktur zu finden. Leonhard Wagner war kein Freund der Textur und ihrer gotischen Gleichmacherei, viel mehr fand er Interesse an humanistischen Schriften aus Italien (er war ein Verfechter der Rotunda).

Fraktur

Die Fraktur ist eine unglaublich lebendige Schrift. Bei keiner anderen Schrift muss man so oft die Feder drehen oder auf die Kante stellen. Es gibt dicke Stellen und extrem dünne (Haarlinien). Es scheint als würde sie aus Flammenformen bestehen. Durch diese flammenartige Element hat sie eine tänzelnden und dynamischen Charakter, der, wenn man sich ein bisschen mit dieser Schrift beschäftigt, überhaupt nichts mehr mit nationalsozialistischem Erscheinungsbild gemeinsam hat. Eher das Gegenteil ist der Fall, sie strahlt Lebensfreude aus. Gerade heutzutage lässt sich viel mit ihr anfangen, besonders wenn man sie aus dem historischen Kontext reisst und sie mit modernen Elementen in Zusammenhang bringt. Ein weiteres Merkmal der Fraktur
sind die sogenannten Elefantenrüssel (die so aussehen wie sie eben heissen).

Wer sich selber gerne einmal mit gebrochenen Schriften spielen will, dem sei Dieter Steffmann Fontsammlung ans Herz gelegt. Der gelernte Schriftsetzter hat einen Haufen historischer Schriften frei für den privaten Gebrauch digitalisiert – unter anderem auch Klassiker wie die Walbaum oder Breitkopf Fraktur.