Es gibt unglaublich viele Schriften und Schriftschnitte. Sie alle zu kategorisieren ist nicht immer einfach. Aber man kann versuchen, einen kleinen Überblick über die grundlegenden Schriftfamilien zu geben. In unserem letzten Blogartikel zum Thema Schriften haben wir uns serifenbetonte und serifenlose Schriften etwas näher angeschaut. Dieses Mal wollen wir in Erfahrung bringen, was es sonst noch für Erscheinungsformen von Schrift gibt. Hierbei machen wir die wichtige Unterscheidung zwischen klassischen und klassizistischen Darstellungsformen.

Die Klassische Antiqua

Die von den Römern erschaffene „Capitalis Monumentalis“ kann als das Grundgerüst abendländischer Schriftgeschichte gesehen werden. Später, in der Renaissance, vermischten die Drucker diese mit der am Hofe Kaiser Karls des Großen entstandene „Karolinger Minuskel“. Dabei kam das heraus, was dem Schriftbild heute noch verwendeter Schriften schon sehr stark ähnelte.

In Italien erschaffen, wurden diese Renaissance-Antiquas von Französischen Schriftgießern wie Claude Garamond nochmal überarbeitet und verfeinert. Die teilweise kantigen Erscheinungsformen einer klassischen italienischen Antiqua, die vom Schreiben mit einem Breitwerkzeug (z. B. Bandzugfeder) stammen, wurden geglättet und ließen die Schrift nun eleganter, wärmer und runder erscheinen. Die Garamond wird heute noch aufgrund ihrer fabelhaften Lesbarkeit gern für den Fliesstext eingesetzt.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Ein weiterer Punkt an dem man eine klassische Antiqua erkennen kann, ist die Schräglage der Achse (sehr gut zu sehen bei einem „o“ oder dem Schrägstrich beim „e“). Bei klassischen Schriften weisen die einzelnen Lettern unterschiedliche Breiten auf, besonders bei Versalien sticht das ins Auge. So ist ein „O“ wesentlich breiter als ein „B“. Die Klassische Antiqua ist aufgrund ihrer menschlichen, gut wahrzunehmenden Form und dem Beibehalten des römischen Grundcharakters, vor allem in serifenbetonter Form, ein Paradebeispiel für gute Lesbarkeit und den Anmut menschlicher und gezeichneter Formqualität.

Übergang von klassischen zu klassizistischen Schriften

In der Zeit des Barocks fängt man an, anders zu schreiben. Anstatt, wie man es vom Barock erwarten würde, Prunk und Ausschweifung zu demonstrieren, neigt man dazu das Schriftbild zu beruhigen und zu vereinheitlichen. Ein Akt dessen ist, dass die vorherige Schräglage der Achse weggenommen wird. Wurde die Renaissance-Antiqua noch nach dem handschriftlichen Vorbild geschaffen, sind Schriften im Barockzeitalter schon eher wohlüberlegt konstruiert worden. Diese Typen bildeten den Übergang zum Klassizismus.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Der Klassizismus

Der Klassizismus bringt ein neues Werkzeug mit sich, das die Schriftgeschichte verändern sollte – die sogenannte Spitzfeder. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, feinste Linien anzubringen. Der Aufstrich beim Schreiben kratzt nur ganz leicht am Papier und schafft so eine dünne „Haarline“. Beim Abstrich drückt der Schreiber die Spitzfeder auf das Papier und lässt einen dicken Strich entstehen. Somit entsteht ein gleichbleibender Rythmus. Striche, die nach oben gezogen werden, äußern sich dünn. Striche, die nach unten gehen, stellen sich dick dar. Buchstaben erscheinen nun durch eine sehr feine und präzise Darstellung, die für den Kupferstich verwendet wurde.

Buchstaben und ihre Eigenheiten

Auch hier sind die römischen Grundformen aufgrund des damaligen Zeitgeistes (Rückbesinnung auf die Antike) wieder gegeben. Neu ist aber die Art der Herangehensweise Schriften zu entwerfen. Klassizistische Schriften sind streng mit Zirkel und Winkel konstruiert. Dementsprechend symmetrisch sieht auch ihr Formaufbau aus. Es gibt eine gerade Achse und die Buchstaben sind gleich breit. Serifen bilden keinen Übergang mehr zu den Schäften. Durch den extrem hohen Dick/Dünn-Unterschied, bieten die Schriften einen sehr hohen Kontrast.

Für den Druck stellte sich das als problematisch heraus, da viele Lettern für den Bleisatz zu fein waren und einfach brachen. Schreiber hingegen konnten sich aufgrund der Entdeckung der Spitzfeder, wieder von der Druckindustrie abheben, in dem sie Schwünge und Verzierungen darboten, die im Druck nicht zu realisieren waren. Augrund ihrer strengen Form und ihrer feinen Züge, wirkt eine klassizistische Schrift sehr edel. Schwünge und Verzierungen geben ihr einen sehr starken, stimmigen und individuellen Charakter.
Gerade die englische Schreibschrift wird heutzutage sehr oft verwendet, wenn ein edles Erscheinungsbild (z. B. bei einem Juwelier) gefragt ist.